Schneller, besser, schärfer - nein!
In einer Welt, die von technischer Perfektion besessen ist, möchte ich ein Plädoyer für das Unperfekte halten, für die Schönheit des Unvollkommenen, für die Magie alter Objektive. Ja, ich besitze hochwertiges Equipment. Kameras und Objektive, die technisch brillante Bilder liefern. Und natürlich setze ich diese Ausrüstung auch bei Auftragsprojekten ein, denn meine Kunden erwarten zu Recht eine erstklassige Bildqualität.
Doch meine wahre Leidenschaft gilt den alten Objektiven. Den Linsen, die schon einige Jahre auf dem Buckel haben, die vielleicht nicht mehr ganz perfekt sind, die aber genau deshalb einen ganz besonderen Charme besitzen. Alte Objektive haben einen eigenen Charakter. Sie zeichnen weicher, verträumter, manchmal sogar etwas "fehlerhaft". Doch gerade diese "Fehler" machen den Reiz aus. Sie verleihen den Bildern eine gewisse Ästhetik, eine Nostalgie, eine Seele. Außerdem zwingen mich alte Objektive, bewusster zu fotografieren. Sie bremsen mich aus, lassen mich genauer hinschauen, mich mehr auf die Komposition und das Licht konzentrieren. Denn mit alten Objektiven kann man nicht einfach drauflos knipsen. Man muss sich Zeit nehmen, mit der Blende und der Schärfe spielen, experimentieren.

Und genau das ist es, was ich an der Fotografie so liebe. Es geht nicht darum, technisch perfekte Bilder zu produzieren. Es geht darum, Emotionen einzufangen, Geschichten zu erzählen, Momente festzuhalten. Und dafür braucht man nicht immer die neueste und teuerste Ausrüstung. Viele Fotografen verlieren sich in einem Pixelwahn. Sie investieren Tausende von Euros in neue Objektive und Kameras, in der Hoffnung, dadurch bessere Bilder zu machen. Doch oftmals vergessen sie dabei, dass gute Fotografie mehr ist als nur technische Perfektion.
Gerade die großen Fotografen, die in der Szene anerkannt sind, arbeiten oftmals mit altem Equipment. Sie wissen, dass es nicht auf die Technik ankommt, sondern auf das Auge, die Kreativität und die Leidenschaft der Fotograf*innen.
Ich möchte euch ermutigen, auch mal abseits der ausgetretenen Pfade zu gehen. Experimentiert mit alten Objektiven, lasst euch von ihrem Charme verzaubern und entdeckt die Schönheit des Unperfekten. Denn gerade im Unvollkommenen liegt oftmals die wahre Magie der Fotografie.